Neuigkeiten Vogelschutz

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Bereits 2010 wurde das Bundesnaturschutzgesetz novelliert. Seitdem sind in der Zeit vom 1. März bis 30. September Baumfällungen und Heckenrodungen verboten, um die Gehölze als
Lebensraum und Niststätten für Vögel zu erhalten.

Das Gesetz sieht zwar einige Ausnahmen vor, diese haben aber ihre eigenen Tücken. So sind zum Beispiel gärtnerisch genutzte Grundstücke und Sportplätze von der Regelung ausgenommen; dort sind Fällungen auch während der Vogelbrutzeit erlaubt. Ein schonender Form- und Pflegeschnitt bei Hecken und anderen beschnittenen Gehölzen ist
ebenfalls möglich, wenn nur der Jahreszuwachs entfernt wird.

Auch die Fällung von Gefahrenbäumen ist natürlich jederzeit erlaubt. Selbst wenn also in manchem Fall Gehölzarbeiten zur Vogelbrutzeit prinzipiell zulässig sind, gelten dennoch weiterhin die Baumschutzverordnungen der jeweiligen Stadt oder Gemeinde, die in vielen Fällen die Beantragung einer Fällgenehmigung erfordert, sowie der Besondere Artenschutz, der die Zerstörung vorhandener, aktuell benutzter Nester und Baumhöhlen verbietet und generell die Störung von Vögeln während des Brutgeschehens untersagt. Es gilt also immer und in allen Fällen: Erst nachschauen, dann (vielleicht) umhauen.

Überlebensstrategie der meisten Vogelarten ist die perfekte Tarnung ihrer Nester. „Wenn bei Fällungen und Heckenschnitten argumentiert wird, da sei ja kein Vogelnest gewesen, dann heißt das nur, man hat keines gesehen. Ob wirklich keines dort war, steht auf einem ganz anderen Blatt“, sagt Dr. Sophia Engel (Ornithologin beim Landesbund für Vogelschutz in München). Überhaupt ist es dem Laien kaum möglich, bei den Verboten und Geboten von (kommunaler) Baumschutzverordnung, Allgemeinem Artenschutz (§39 BNatSchG) und Besonderem Artenschutz (§44 BNatSchG) den Überblick zu wahren. „Das einzig Sinnvolle ist, man folgt der Intention des Naturschutzgesetzes und fällt, wenn es überhaupt sein muss, nur außerhalb der Vogelbrutzeit“ so Engel. Der LBV fordert alle zuständigen Behörden, Bauherren, Hausverwaltungen und Gartenbesitzer auf, ihre Zeitplanungen so
zu gestalten, dass notwendige Fällungen ausschließlich im Herbst und Winter erfolgen.